Bayreuth
Richard Wagner 3.0

Kooperatives Forschungsprojekt

HMTM Hannover     IKT LU Hannover

Immersive Klangumgebungen und ihr Potenzial für das Musik-Erleben und die kulturelle Teilhabe

Lässt sich mit modernen Mitteln der digitalen, virtuellen Klangraumerzeugung das Ideal eines vom Orchesterklang vollständig eingehüllten Hörers realisieren? So hatte es bereits 1873 Richard Wagner zukunftsweisend formuliert und mit dem weltberühmten Festspielhaus in Bayreuth 1876 realisiert.

Fragestellungen

  1. Wie lassen sich Hörräume wiedergabetechnisch so konstruieren, dass sie dem natürlichen, dreidimensionalen Eindruck entsprechen?
  2. Wie unterscheiden sich die musikbezogenen psychologischen Erlebniskorrelate von Stereo-, Surround- und 3D Audio-Klang?
  3. Kann das individuelle immersive Klangerleben durch raumakustische Parameter vorhergesagt werden?
Bildnis Richard Wagners mit Samtbarett im Viertelprofil, entstanden um 1910
Bildnis Richard Wagners mit Samtbarett im Viertelprofil, entstanden um 1910.

Immersives Klangerlebnis als Hörideal

„Meine Forderung der Unsichtbarmachung des Orchesters gab dem Genie des berühmten Architekten, (...) sofort die Bestimmung des hieraus (...) entstehenden, leeren Zwischenraumes ein: wir nannten ihn den »mystischen Abgrund«, weil er die Realität von der Idealität zu trennen habe, (...) während die aus dem »mystischen Abgrunde« geisterhaft erklingende Musik, gleich den, unter dem Sitze der Pythia dem heiligen Urschooße Gaia's entsteigenden Dämpfen, ihn in jenen begeisterten Zustand des Hellsehens versetzt, (...).“

Wagner, R. (1873/2004). Das Bühnenfestspielhaus zu Bayreuth. In S. Friedrich (Hg.), Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe [CD-ROM] (Digitale Bibliothek, Bd. 107, S. 337ff.). Berlin: Directmedia.

Vision Statement

Auch wenn die Bedeutung immersiver Audio-Techniken für die Musikpraxis zunimmt, steht der empirische Nachweis über die Annahme eines durch sie gesteigerten Musik-Erlebens noch aus. Ziel dieses interdisziplinären Projektes ist es, entsprechende Zusammenhänge empirisch nachzuvollziehen. Allgemein ließe sich damit unabhängig von einer Saal-Architektur und ohne Kopfhörerverwendung mittels Mehrkanal-Lautsprechersystemen auf innovative Weise ein qualitativ neuartiges, gemeinsames Hörerlebnis erschaffen.

Hintergrund

Das qualitative Erlebnis einer musikalischen Aufführung ist eng mit der klanglichen Güte des Aufführungsraums verwoben. Mit dem Bayreuther Festspielhaus (erbaut zwischen 1872–1875) realisierte Richard Wagner eine hochwertige Raumakustik, die Publikum und Orchester mit Klang gänzlich umhüllen sollte. Die Idee des immersiven Klangerlebnisses als höchster Form der Musik-Erfahrung wurde geboren.

Entsprach seine Idee einer vollständigen, klanglichen Umhüllung der Immersions-Version 1.0, so können die heutigen Übertragungsformate von Musik als Stereo- oder 7.1 Surroundklang und die modernen Wiedergabeformate Dolby Atmos, Auro-3D oder AMBEO als immersive 3D-Audio Formate als Nachfolgeversionen 2.0 und 3.0 betrachtet werden.

Projektleitung
Prof. Dr. Reinhard Kopiez
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Hannover Music Lab
Neues Haus 1
30175 Hannover
Kontaktaufnahme
Prof. Dr. Jürgen Peissig
Leibniz Universität Hannover
Institut für Kommunikationstechnik
Appelstraße 9A
30167 Hannover
Kontaktaufnahme

Projektförderung

Das interdisziplinäre Forschungsvorhaben wird durch das Programm Geistes- und Kulturwissenschaften - digital: Forschungschancen, Methodenentwicklung und Reflexionspotenziale des gemeinsamen Förderprogramms "Niedersächsisches Vorab" der VolkswagenStiftung in Verbindung mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert (Fördernummer des MWK: ZN3497).

VolkswagenStiftung     MWK Niedersachsen